Die Friggaflagge

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Robert Petersen wurde am 09.07.1905 in Flensburg geboren.

Nach Beendigung der Schulzeit mit der Mittleren Reife, begann er am 01.04.1922 eine Lehre als Schifffahrtskaufmann bei der Reederei Heinrich Schmidt in Flensburg. Wegen schlechter Marktlage und dem damit verbundenen Raten- und Gewinnverfall musste die Reederei auch im Bürosektor einschneidende Einsparungen vornehmen. Als jüngster Angestellter wurde auch er dadurch per 30.09.1925 arbeitslos.

Durch Zufall stieß er auf eine Anzeige, in der die Seereederei "Frigga"AG., Hamburg, einen jungen Reedereikaufmann suchte.

Er bewarb sich erfolgreich und wurde am 01.10.1925 in dieser Position zu einem Monatsgehalt von RM 200,-- eingestellt. Damals hatte die "Frigga" ihre Büroräume in der Esplanade 6, zwischen Dammtor- und Hauptbahnhof, nahe Planten un Blomen und dem Botanischen Garten.

Robert Petersen arbeitete bei der "Frigga" hauptsächlich in der Reedereiabteilung. Zusätzlich kümmerte er sich zeitweise auch um die Heuer- und Ausrüstungsabteilung und Buchhaltung.

1933 wurde ihm Prokura erteilt, wenn auch diese wegen schlechter Wirtschaftslage mit keiner Gehaltserhöhung verbunden war.

1939 mit Kriegsausbruch - die "Frigga" hatte damals 12 Schiffe mit rund 91.500 tdw - übernahm die Regierung die Lenkung der deutschen Seeschifffahrt. Die Reedereien betreuten zwar weiterhin ihre Schiffe, hatten aber keinen Einfluss mehr auf deren Einsatz. Dieser erfolgte durch eine Arbeitsgruppe der Reedereien, dem "Tonnage-Einsatz" (T-E), welcher dem Reichskommissar für Seeschiffahrt unterstellt war und die den geeigneten Schiffsraum für die von diesem angeforderten Transporte einteilte. In diese Arbeitsgruppe wurde Petersen mit Zustimmung des damaligen Aufsichtsrates berufen. lhm unterstand die Erzfahrt sowie der Nachschub nach Norwegen. 1942 wurden die Diensträume des "T-E" in Hamburg durch Bomben völlig zerstört. Petersen wurde vom Reichskommissar nach Bremen beordert, um dort einen neuen "T-E" einzurichten.

Er arbeitete aber auch weiterhin als Vorstand der "Frigga". Für seine Familie, insbesondere seinen 1935 geborenen Sohn, war da natürlich keine Zeit mehr übrig.

Die "Frigga" verlor durch Kriegseinwirkungen ihre gesamte Flotte. Lediglich die Wracks von D."Frigga" und D."Hermod" lagen bei Schulau bzw. vor den Hamburger Elbbrücken auf Grund. Wegen seiner Parteizugehörigkeit zur NSDAP, erhielt Petersen von den Alliierten im Oktober 1946 ein Berufsverbot und durfte die Büroräume der "Frigga" nicht mehr betreten. Natürlich legte Petersen Einspruch gegen dieses Berufsverbot ein, denn er hatte nie ein Parteiamt inne. Dem Einspruch wurde stattgegeben und er durfte ab dem 01.01.1948 wieder in "alter Position" bei "seiner geliebten Frigga" arbeiten.

Seine Berufung in den Vorstand der Reederei 1943 war im Handelsregister nach Verhängung des Berufsverbotes nicht gelöscht worden, so dass eine formelle Neubestellung entfiel.

Da die "Frigga" keine Schiffe mehr besaß, gab es praktisch nichts mehr zu tun. Das Büro bestand aus zwei kleinen Räumen, die mit Akten überfüllt waren und per damals so beliebter Brennhexe beheizt wurden. Da es keine Kohlen, Briketts oder Holz gab, wurden alte Akten verfeuert, um wenigstens etwas Wärme zu bekommen. Ein Versuch, durch Charterung von Kümos wenigstens etwas Geld zu verdienen, scheiterte leider.

Mitte 1948 stellte sich Petersen auf Bitte der damaligen Verwaltung für Verkehr (später das BVM) im Einvernehmen mit dem Aufsichtsrat der Reederei als Verbindungsmann der Verwaltung zur "Bipartit Transport Group JEIA" (Joint Export- Import Agency) in Frankfurt zur Verfügung. Es war nach eigener Aussage für ihn zunächst keine angenehme Aufgabe, aber er konnte im Laufe der Zeit nutzbringende Kontakte herstellen, die den Interessen der deutschen Schifffahrt dienten.

Aufgrund seiner guten persönlichen Verbindungen zu den englischen und amerikanischen Dienststellen in Frankfurt gelang es ihm, die bereits von der englischen Besatzungsmacht zur Verschrottung nach England verkauften Wracks D."Frigga" und D."Hermod" loszueisen und wieder in den Reedereibesitz zurückzuführen.

Damit hatte er den Grundstein für die Nachkriegs-"Frigga" gelegt, denn ohne Schiffe wäre die Reederei von den Aktionären geschlossen worden, zumal damals kein Erzbedarf bestand, weil die Stahlwerke noch nicht wieder aufgebaut waren.

Bei seinem Plan zum Wiederaufbau der beiden Schiffe war aber völlig offen, ob a) die Aktionäre der Reederei bereit sein würden, das mit einer kostspieligen Wiederherstellung der Schiffe verbundene Risiko zu tragen und b) die Fremdfinanzierung für den Wiederaufbau zu schaffen sein werde, denn eigene Mittel standen nicht zur Verfûgung.

In einer am 20.05.1949 stattgefundenen Aufsichtsratssitzung in Essen wurde nach anfänglicher Ablehnung des Planes doch die Zustimmung zum Wiederaufbau der beiden Wracks erteilt, nicht zuletzt, weil Petersen eine Fremdfinanzierung zu annehmbaren Bedingungen vorlegen konnte. Die Finanzierungen wurden von der Bremer Landesbank bzw. von der Hamburgischen Landesbank übernommen.

Der Auftrag zur Reparatur D."Frigga" ging an die Seebeck-Werft in Bremerhaven und der für D."Hermod" an die Howaldtswerke in Hamburg. Petersen beendete seine Tätigkeit bei der JEIA in Frankfurt im September 1949, um sich wieder voll der "Frigga" widmen zu können.

Im November 1949 konnte D."Frigga" mit modernisiertem Aussehen wieder in Dienst gestellt werden und war damals das größte Schiff der deutschen Handelsflotte. Ihre erste Reise ging mit Roggen von Hamburg nach Yugoslawien. D."Hermod" ging im Januar 1950 auf Probefahrt auf der Elbe und war zu diesem Zeitpunkt noch unbefrachtet. Erst während der Probefahrt glückte es,das Schiff mit einer Ladung Schwefelkies von Huelva nach Hamburg zu befrachten.

Mit der Indienststellung dieser beiden alten Schiffe wurde der entscheidende Schritt zum Wiederaufbau der Reederei getan.
Während seiner Zeit als ordentliches Vorstandsmitglied und Sprecher des Vorstandes wurden insgesamt 20 Neubauaufträge an deutsche Werften vergeben. Die Neubauten erhielten alle die traditionellen nordischen Götternamen.

In jeden Neubau hat Robert Petersen seine Seele gelegt und an allen Stationen von der Planung, Auftragserteilung, Durchführung bis zur Fertigstellung mitgewirkt. Im Laufe seiner Tätigkeit besuchte er die Erzminen und etliche Verladeplätze in Schweden, Norwegen, Afrika und Brasilien und baute für die Reederei nützliche Verbindungen auf. Er hat immer gute Kontakte zu den Schiffsleitungen und Besatzungen gesucht. Die Kapitäne erfanden nach dem Krieg für ihn den Spitznamen "R hoch 3" was heissen sollte: Robert rechnet richtig.

Mit Indienststellung der bei Blohm und Voss, Hamburg, gebauten "großen Widar" im Mai 1971, an deren Jungfernreise nach Brasilien er teilnahm, endete seine Tätigkeit als Vorstandsmitglied der "Frigga".
Noch nach seiner Pensionierung wurde Robert Petersen in den Aufsichtsrat der Reederei berufen. Er übte diese Tätigkeit noch bis zum 10.05.1974 aus und wurde am 21.06.1974 "offiziell" verabschiedet. Er verstarb am 11.01.1997 in Hamburg nach langer, schwerer Krankheit.
Verfasser: Klaus H. Petersen, Sohn von Robert Petersen, der als Reedereikaufmann selbst über 27 Jahre lang für "Frigga" tätig war.