DIE FRIGGA-WELLEWie hält man Kontakt zum Rest der Welt, wie bekommt man mit, was außerhalb des Mikrokosmos "Schiff" vor sich geht, wenn man sechs oder mehr Monate auf See ist, nur von kurzen Hafenzeiten unterbrochen?Im Zeitalter von Satellitenfunk und e-Mail sicher kein großes Problem mehr. Aber noch in den 70er und 80er Jahren war das gar nicht so einfach.
Da gab es zum einen die Deutsche Welle. Mit einem einigermaßen preiswerten, kurz- wellenfähigen Rund-funkgerät konnte man da gelegentlich Nachrichten in deutscher Sprache empfangen. Natürlich waren die stählernen Wände des Schiffes Hindernisse, die aber Hein Seemann meist mit großem Erfinder-geist und oft abenteuerlichen Antennen- konstruktionen zu umgehen wußte. Bei dieser spärlichen Nachrichtenlage spielte das gedruckte Wort eine wichtige Rolle. Werktäglich strahlte Norddeichradio den vom "Sozialwerk für Seefahrer" finanzierten und vom "Hamburger Abendblatt" redigierten "SFS-Funkpressedenst" aus. Über Morsefunk wurde die Funkpresse dann in relativ flottem Tempo übermittelt, von den Funkoffizieren auf die Formulare getippt und in den Messen an Bord verteilt. In meist kurzen Meldungen von Politik bis Sport stand damit eine kleine aktuelle Bordzeitung von etwa anderthalb Seiten zur Verfügung. Monatlich kam die vom Verband Deutscher Reeder herausgegebene Zeitschrift "Kehrwieder" an Bord. Dort konnte man sich dann recht ausführlich über seefahrtbezogene Themen unterrichten. Auch die Seereederei "Frigga" bemühte sich sehr darum, die Beschäftigten an Land, die Besatzungen der Schiffe und deren Angehörige durch eine regelmäßig erscheinende Zeitschrift über die Entwicklung der Reederei und das Leben an Bord zu informieren. "Wir möchten mit dieser Zeitschrift den Kontakt untereinander zwischen Ihnen an Bord und an Land enger gestalten. Sie sollen wissen, was an Land in unserer Reederei geschieht. Wir möchten noch mehr wissen, was Sie an Bord fühlen und was Sie durch Anregung, Lob und Kritik zum gemeinsamen Nutzen beitragen können." So der Leitartikel des ersten Heftes, das im März 1971 erschien. In einem Wettbewerb wurde der Name der Zeitschrift ermittelt und bereits die zweite Ausgabe von Juni 1971 trug den Namen "Die Frigga-Welle". Die kleinen roten Heftchen, mit Schreibmaschine geschrieben und mit "Bordmitteln" gefertigt, kamen gut bei den Besatzungen an. Gern las man über den technischen Ausbau der "Frigga"- Flotte. Informativ waren die Tipps aus der Heuerbuchhaltung über Vermögensbildung, Kindergeld u. ä., die z.T. auch für die ausländischen Mitarbeiter an Bord in spanischer Sprache abgefasst waren. Allemal interessierte man sich, wer sich gerade auf welchem Schiff befand und wie die Einsatzplanung der Flotte aussah. Auch die Berichte über die Schwierigkeiten und Bemühungen der Reederei, auskömmliche Frachtraten zu erzielen oder den Problemen der Ölkrise zu begegnen, wurden aufmerksam zur Kenntnis genommen. Themen waren natürlich der Neubau "Widar" und der Verkauf der Schiffe "Widar", "Hödur", "Anita Thyssen" (ex "Vale"), kleinere Havarien, Berichte über "Mann über Bord"-Manöver. Allerdings kamen trotz mehrfacher Bitten nur sehr selten Beiträge von Bord. Seeleute sind eben nur
selten Literaten - mal von Joachim Ringelnatz und Joseph Conrad abgesehen |

